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Die Diskrepanz zwischen Kindergarten und Schule

oder: die verplante Kindheit

Mit der Einführung des Orientierungsplans 2006 in Baden-Württemberg reagierte das Land auf das schlechte Abschneiden der Schüler an der Pisa-Studie. 2011 gab es dann noch einmal eine Revision. Die aktuelle Fassung hat Maßstäbe auf wissenschaftlicher Ebene in der Vorschul- und Kleinkinderziehung geschaffen. Neue Ansätze der Pädagogik versprechen ein Wandel hin zu einer Pädagogik, die mündige und selbstlernende Kinder hervorbringt.

Kommen diese Ansätze jedoch an der Basis an? Wie hat sich also das operante Geschäft entwickelt? Bedeutet das auch, dass sich der Lernort Schule verändert hat?

Schauen wir uns die Situation etwas genauer an! Kinder in der Krippe und im Kindergarten lernen verstärkt partizipatorisch, sich selbstbestimmt im Alltag zu behaupten. Die Resilienz wird deutlich erhöht und das Bewusstsein der Selbstwirksamkeit gesteigert. So sollte man meinen!

Sicherlich trifft dies auf einige Einrichtungen zu, jedoch gibt es mindestens genauso viele Einrichtungen, die ihre Konzeption, wenn sie denn eine haben, geschweige denn ihre pädagogische Arbeit im Alltag, noch immer nicht angepasst haben. Hinzu kommt die Lebenssituation vieler junger Kinder. Ein Aufenthalt in der sozialpädagogischen Einrichtung zwischen 8 und 10 Stunden am Tag ist für die Kleinen normal! Andere Kinder wiederum werden von ihren Eltern früher abgeholt, jedoch nicht mit der Prämisse, ihre Freizeit in der Natur mit Freispiel zu verbringen, wie es noch vor wenigen Jahren üblich war. Diese Kinder haben einen vollen Terminkalender: Sport, Chinesisch, Englisch, Tanz, usw. prägen ihre Freizeit.

Laut KJHG soll der Kindergarten familienergänzend arbeiten, nicht familienersetzend. Eltern haben Angst: Angst um ihren Arbeitsplatz, das müssen die Kleinen mit langen Aufenthaltszeiten in der KITA ausbaden. Angst, dass ihre Kleinen den Anschluss verlieren und sich später nicht auf dem leistungsorientierten Arbeitsmarkt behaupten können.

Der Druck auf die Eltern und somit auf die Kinder wächst. Die Schule hat sich nur wenig verändert. Nun gut, die Grundschule geht so langsam neue Wege. Jedoch auch hier bricht für viele Eltern die Welt zusammen, wenn ihr Kind es nicht auf das Gymnasium schafft. Burn-out der Kinder in diesen frühen Jahren ist keine Seltenheit. Im Gymnasium erleben sie dann ständige Überforderung und einen permanenten Termin- und Leistungsdruck. Dies alles widerspricht im höchsten Maße dem zarten angelegten Keimling, der im Kindergarten gepflanzt wurde und Selbstbewusstsein sowie freies Denken heißt.

Kindheit heute bedeutet Frust, Perspektivlosigkeit und höchste dauerhafte Anspannung, die Krank macht.

Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir, wenn wir schon den Kindergarten reformiert haben, bei der Schule nicht halt machen dürfen.

UNSERE KINDER WERDEN ES UNS DANKEN!

Die Lösung liegt zum einen in einer besseren Schulung der Erzieher und Pädagogen, zum anderen in einem Aufbrechen alter Denkstrukturen.

Schule muss eine lernende Organisation werden. Schüler sollten von Anfang an an ihrem individuellen Lehrplan beteiligt werden und ihnen sollte Verantwortung für ihr Lernen übertragen werden. Das heißt ganz praktisch, dass regelmäßige Zielvereinbarungsgespräche zwischen Schüler und Lehrer stattfinden und dass der Schüler selbst seinen Wochenplan und sein Lernpensum sowie das, was er gerade lernen möchte, gestaltet.

Der Lehrer sollte in zunehmenden Maße Berater und nicht Lehrkörper, Mitlernerden und Forscher sein. Die Kinder werden so mit einer ganz anderen Motivation herangehen und sehr gute Ergebnisse liefern, wie wir am Beispiel der skandinavischen Länder deutlich sehen können.

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